Emails für den Staatsanwalt

Es ist noch gar nicht lange her, da gab mein Lieblings-MdB Ruprecht Polenz den folgenden Gedanken in der "Frankfurter Rundschau" zum Besten: "Die schnelle und ungeprüfte Ausbreitung von Behauptungen und Angriffen im Netz, nennt Polenz ein „Spiel mit den Feuer“. Dagegen helfe nur Transparenz und Öffentlichkeit."

Und weil Herr Polenz, ein großer Freund aller Kostümjuden, in diesem Punkt ausnahmsweise mal Recht hatte, es jedoch selbst mit der Transparenz mittlerweile nicht mehr ganz so genau nimmt, muss nun dringend Abhilfe geschaffen werden. Im Folgenden ein paar Emails, die zu einem Zeitpunkt (17. / 18.06.2012) gewechselt wurden, als Frau Wachendorff offiziell noch Jüdin war und ihr Freund ein Alibi hatte:


Sehr geehrte Frau Wachendorff,

aktuell arbeite ich an einer größeren Reportage über jüdisches Leben in Deutschland und habe diesbezüglich gleich an Sie gedacht. Erlauben Sie mir daher auf diesem Wege ein paar Fragen:

1. In welcher jüdischen Gemeinde sind Sie Mitglied?
2. Sie schreiben, Ihr Vater wäre nach dem Krieg Berater eines Rabbiners einer reformierten jüdischen Gemeinde gewesen. Um welche Gemeinde handelt es sich hier? Oder ist Ihr Vater, der ja auch „Zadek“ (Sie meinen Zaddik, oder?) war, doch einer anderen Tätigkeit nachgegangen?
3. Im Zuge Ihrer Teilnahme am ersten Libanon-Krieg haben Sie ja auch eine IDF-ID zugeteilt bekommen. Wie lautet diese? Die können Sie übrigens gefahrlos verraten, das ist ganz und gar nicht intim.
4. Außerdem habe ich gelesen, dass Sie aus diesen Erfahrungen (IDF) heraus Wehrdienstverweigerer in Israel unterstützen. Wie läuft das konkret ab? Machen Sie das alleine, von Israel oder von Remagen aus, oder im Rahmen einer Organisation (wenn ja, welche?) ?
5. Darüber hinaus erwähnten Sie, über einen zweiten Wohnsitz in Israel zu verfügen. Haben Sie dann auch die doppelte Staatsbürgerschaft?
6. Wie genau lief denn Ihre Geigenlieferung nach Gaza ab? Ging das über Land oder via Flotte, mussten Sie dazu gar die Blockade durchbrechen? Wann fand der Transport statt? Und wurde die Aktion auch medial begleitet?
7. In welchem Verhältnis stehen Sie zu Katharina Irena M.? (Name gekürzt)

Auf Ihre Antworten freue ich mich. Bis dahin beste Grüße aus München und lehitraot! 
Jennifer Nathalie Pyka. 



Sehr geehrte Frau Jennifer Nathalie Pyka,
es freut mich für Sie, wenn Sie an einer Reportage über "jüdisches Leben in Deutschland" schreiben wollen.
Allerdings weiß ich nicht, was Ihre Fragen an mich bezüglich mit diesem Thema zu tun haben.
Die Grundlagen der von Ihnen formulierten Fragen sind so kurios, dass sich eine Antwort darauf erübrigt. Darüber hinaus scheint es doch von wenig Interesse zu sein, welcher Gemeinde ich angehöre, meine Eltern angehörten oder in welchem "Verhältnis" ich zu Katharina-Irena M. stehe.
Doch bestätige ich hiermit den Eingang Ihrer mail an mich und teile Ihnen mit, dass mein RA auf Grund Ihrer Nähe zu den Anwürfen des Herrn Adam Daniel Poznanski, Ihre mail an die Staatsanwaltsxchaft Frankfurt weiter geleitet hat.
Mit freundlichen Grüßen
Irena Wachendorff



Liebe Frau Wachendorff,

also nun wird es interessant. Ich darf Sie hiermit höflich daran erinnern, dass Sie selbst - und nicht etwa ich - für die in meinen Fragen angeführten "Grundlagen" verantwortlich sind. Sie selbst haben doch immer Ihren Vater, Ihre Geigenlieferungen nach Gaza, Ihre Erfahrungen als hart gesottene IDF-Veteranin u.v.m ins Feld geführt. Aber trotzdem lustig, dass Sie all das mittlerweile selbst "kurios" finden. Ich nämlich auch - darum frage ich ja.

Abgesehen davon dürfen Sie bzw. Ihr RA natürlich gerne meine Mail an den Staatsanwalt weiterleiten.
Das wird sicherlich einen ähnlich durchschlagenden Erfolg wie all die Anzeigen gegen mich haben, die sich gemäß Frau Schuricht beim Staatsanwalt schon bis zur Decke, nicht jedoch in meinem Briefkasten stapeln.


Wäre schön, wenn Sie sich bis dahin doch noch an Ihre Musiktherapie mit traumatisierten Kindern in Gaza erinnern würden.

Bis dahin beste Grüße 

Jennifer Nathalie Pyka. 
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Sehr geehrter Herr Polenz,

aktuell arbeite ich an einer größeren Reportage über jüdisches Leben in Deutschland und habe diesbezüglich gleich an Ihre Bekannte Irena Wachendorff gedacht, die ja auch von Ihnen - also einem deutschen Politiker - unterstützt wird. Erlauben Sie mir daher auf diesem Wege ein paar Fragen: 

1. Der "Frankfurter Rundschau“ entnehme ich, dass Sie zu den zahlreichen Unterstützern Irena Wachendorffs zählen. Wie sieht diese Unterstützung denn genau aus? Was tun Sie konkret für sie?
2. Sie unterstützen Frau Wachendorff bekanntlich, „auch weil sie Jüdin ist“ (Zitat von Ihnen). Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie Irena Wachendorff nicht unterstützen würden, wenn sie keine Jüdin wäre?
3. Am 02.02.2012 haben Sie den Waldorfkindergarten Ein Bustan im Rahmen Ihrer Dienstreise nach Israel besucht. Ging die Idee dieses Besuchs von Ihnen oder eher von Frau Wachendorff aus?
4. Sie lesen laut eigenen Angaben die Kommentare, die Dritte auf Ihrer FB-Seite hinterlassen. Ist Ihnen dabei eigentlich nichts am Argumentations- /Diskussionsstil von Frau Wachendorff aufgefallen?
5. Darüber hinaus sind Sie ja auch ein großer Freund Israels. Halten Sie es im Rahmen dieser Freundschaft wirklich für sinnvoll, alle anderen Israel-Freunde außer Ihnen in die Nähe von Neonazis zu rücken, so wie Sie es erst neulich im Bundestag taten?
Auf Ihre Antwort freue ich mich! Bis dahin beste Grüße aus München,
Jennifer Nathalie Pyka. 



Ich kann nicht erkennen, was Ihre Fragen mit "jüdischem Leben in Deutschland" zu tun haben.
MfG RP

Von meinem iPad gesendet


Das ist doch ganz einfach, lieber Herr Polenz. Frau Wachendorff ist Jüdin, und Sie sind ein deutscher Politiker, der Frau Wachendorff unterstützt - "auch weil sie Jüdin ist". Diese Unterstützung haben sie oft genug öffentlich betont. Insofern ist meine Frage durchaus legitim, zumal es für Sie doch wirklich nicht problematisch ist, dieses Engagement zu konkretisieren (vgl. vorherige Email / Anfrage meinerseits).

Liebe Grüße

Jennifer N. Pyka.



Mit Verlaub: Ihre Fragen sehen nicht nach einer "größeren Reportage über jüdisches Leben in Deutschland" aus, sondern nach einer kleinlichen Fortsetzung Ihrer Fehde mit Frau Wachendorff. Dafür stehe ich nicht zur Verfügung. MfG RP

Von meinem iPad gesendet



Lieber Herr Polenz, es ist fast schon schade, dass Sie mich für derart kleingeistig halten. Aber gut, das steht Ihnen selbstverständlich frei.
Herzlichen Dank für Ihre Antwort - nach der Veröffentlichung werden auch Sie höchst überrascht sein. Und was wäre das Leben nur ohne wundersame Überraschungen?

Viele Grüße
Jennifer N. Pyka.